Schimmel überstreichen: Was wirklich passiert, und wie Sie ihn dauerhaft loswerden
Zuletzt aktualisiert: September 2026 · Von Dirk Alt, Renovierungsguru GmbH Mönchengladbach
Ein dunkler Fleck hinter dem Schrank, zwei Striche mit der Rolle, und vier Wochen später ist er wieder da. Dieser Artikel erklärt, warum das passiert, wie Sie die Ursache finden, was eine fachgerechte Beseitigung kostet und wer sie im Mietverhältnis bezahlt. Für Eigentümer und Mieter in Mönchengladbach und Umgebung, die den Fleck nicht zum dritten Mal übermalen wollen.

Ist es sinnvoll, Schimmel zu überstreichen?
Als Lösung nicht. Farbe deckt den Fleck ab, doch das Pilzgeflecht sitzt in Tapete, Putz und Kleber und wächst weiter, solange die Feuchtigkeit bleibt. Der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts setzt deshalb an einer anderen Stelle an: erst die Feuchtequelle abstellen, dann das befallene Material entfernen. Meist zeigt sich der Fleck nach einigen Wochen erneut, häufig größer als zuvor.
Es gibt eine Situation, in der Überstreichen richtig ist: ganz am Ende, wenn die Ursache behoben, die Wand trocken und das befallene Material entfernt ist. Dann ist die Farbe der letzte von sieben Arbeitsschritten, die weiter unten stehen.
Woher der Schimmel kommt
Schimmel braucht Feuchtigkeit. Alles andere, also Sporen, Staub, Tapetenkleister, ist in jeder Wohnung vorhanden. Die Frage lautet deshalb nie "Wie bekomme ich den Fleck weg", sondern "Woher kommt das Wasser". Drei Quellen kommen in Frage, und sie führen zu drei verschiedenen Maßnahmen.
Ursache | Woran Sie sie erkennen | Was hilft |
Feuchte Raumluft (Kondensat) | Befall in Raumecken, hinter Möbeln, an Fensterlaibungen. Morgens beschlagene Scheiben. Tritt ab Oktober auf und verschwindet im Frühjahr | Lüftungs- und Heizverhalten anpassen, Möbel von der Außenwand abrücken, Luftfeuchte messen |
Wärmebrücke | Immer dieselbe Stelle, auch bei gutem Lüften. Oft Betonsturz über dem Fenster, Rollladenkasten, Deckenanschluss, Geschossdecke im Keller | Bauteil nachbessern. Innendämmung nur nach Berechnung, sonst verschiebt sich der Taupunkt in die Wand |
Wasserschaden | Fleck breitet sich aus, Putz blüht weiß aus, Sockelleiste wellt sich, Estrich fühlt sich kalt an. Unabhängig von der Jahreszeit | Leck orten, Rohr reparieren, Bausubstanz technisch trocknen, erst danach wieder aufbauen |
Eine Wärmebrücke ist dabei ein Bauteil, das kälter bleibt als die Wand ringsherum, meist weil an dieser Stelle Beton oder Metall die Dämmung durchstößt. Der Taupunkt wiederum ist der Punkt, an dem warme Raumluft an einer kalten Fläche ihr Wasser abgibt. Genau dort wächst der Schimmel, und deshalb sitzt er so oft an der kältesten Stelle im Raum statt dort, wo am meisten Feuchtigkeit entsteht.
Wenn Sie nicht sicher sind, welcher der drei Fälle vorliegt: Eine Feuchtemessung im Putz gibt darüber in der Regel innerhalb einer Stunde Auskunft. Wir machen das vor Ort mit einem Widerstands- und einem Mikrowellenmessgerät, weil ein Oberflächenwert allein noch nichts über die Tiefe aussagt.
Was Anti-Schimmel-Farbe leistet
Anti-Schimmel-Farben enthalten meist Biozide, also Wirkstoffe, die den Pilz abtöten sollen. Für Wohn- und Schlafräume rät das Umweltbundesamt von solchen Zusätzen in Wandfarben ab. Die Wirkung hält je nach Produkt, Feuchtebelastung und Staubauflage etwa ein bis drei Jahre, danach ist die Wand wieder so anfällig wie zuvor. Öko-Test fand in einer Untersuchung von Antischimmelfarben in der Mehrzahl der Produkte bedenkliche Biozide.
Für ein Kinderzimmer ist das die falsche Baustelle. Sinnvoller ist die Kombination aus trockener Bausubstanz und einem Aufbau, der Feuchtigkeit durchlässt statt sie einzusperren, etwa Kalk- oder Silikatputz mit der passenden Farbe darauf. Kalk hat einen hohen pH-Wert, und damit wird der Untergrund für den Pilz unattraktiv, ganz ohne Biozid.
Bis wann Sie selbst ran dürfen
Der UBA-Schimmelleitfaden zieht die Grenze bei einem halben Quadratmeter Befallsfläche. Bis 0,5 m² oberflächlicher Befall dürfen Privatpersonen selbst tätig werden, sofern die Ursache bekannt und abgestellt ist. Ab 0,5 m² fällt der Schaden in die höchste der drei Kategorien des Leitfadens, und dann gehört die Arbeit in die Hände einer Fachfirma.
Drei Einschränkungen stehen ausdrücklich daneben, und sie gelten unabhängig von der Fläche:
Bei Allergien, Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen sollten Betroffene die Arbeit nicht selbst übernehmen
Bei geschwächtem Immunsystem gilt dasselbe
Wenn die Ursache unklar ist oder der Befall aus der Wand heraus kommt statt auf ihr zu sitzen, ist die Fläche nur die halbe Wahrheit
Essig hält sich als Hausmittel hartnäckig, taugt dafür aber wenig: Auf kalkhaltigem Putz wird die Säure neutralisiert, und die organischen Bestandteile können dem Pilz sogar Nahrung liefern. Für die kleine Fläche auf glattem, festem Untergrund nehmen Sie 70- bis 80-prozentigen Alkohol und ein Einwegtuch, das danach in den Restmüll geht. Weil Alkohol in dieser Konzentration leicht brennt: Fenster auf, kein offenes Feuer und keine Zigarette in der Nähe.
So läuft eine fachgerechte Beseitigung ab
Schritt 1: Ursache finden. Feuchtemessung an Wand, Estrich und Dämmschicht. Bei Verdacht auf ein Leck kommt eine Leckortung dazu. Die arbeitet zerstörungsfrei, also ohne dass dafür vorher eine Wand geöffnet wird, mit Wärmebild oder mit einem Prüfgas, das an der undichten Stelle austritt.
Schritt 2: Quelle abstellen. Ohne diesen Schritt ist jede weitere Arbeit eine Zwischenlösung. Bei einem Rohrbruch heißt das Reparatur, bei einer Wärmebrücke eine bauliche Nachbesserung, bei reinem Kondensat eine Änderung an Nutzung und Raumklima.
Schritt 3: Bereich abschotten. Staubdichte Abtrennung mit Folie und Unterdruckhaltung, damit die Sporen nicht durch die ganze Wohnung wandern. Dieser Punkt wird in der Praxis am häufigsten übersprungen, und er ist der Grund, warum nach mancher Sanierung plötzlich zwei Zimmer weiter ein Fleck auftaucht.
Schritt 4: Befallenes Material entfernen. Tapete, Kleister und je nach Tiefe der Putz werden abgetragen und entsorgt. Was durchfeuchtet und befallen ist, kommt raus. Was nur feucht ist, wird getrocknet.
Schritt 5: Trocknen. Bautrocknung mit Kondensations- oder Adsorptionstrocknern, bei Dämmschichten im Fußboden mit Randfugen- oder Saugverfahren. Die Laufzeit wird nicht geschätzt, sondern gemessen und dokumentiert.
Schritt 6: Wiederherstellen. Neuer Putz, Trockenbau wo nötig, Grundierung, Anstrich. Hier kommt die Farbe ins Spiel, und hier gehört sie auch hin.
Schritt 7: Kontrolle. Nachmessung nach einigen Wochen. Erst damit ist belegt, dass die Wand trocken geblieben ist.
Mehr zum technischen Teil finden Sie auf unseren Seiten zu Bautrocknung und Wasserschadenbeseitigung.
Was die Beseitigung kostet
Die folgenden Zahlen sind Richtwerte aus dem deutschen Markt, kein Angebot. Sie geben Ihnen eine Größenordnung, bevor Sie mit jemandem sprechen.
Leistung | Richtwert |
Tapete entfernen und entsorgen | 30 bis 40 € pro m² |
Putz abtragen und entsorgen | 80 bis 100 € pro m² |
Desinfektion der Fläche | 10 bis 15 € pro m² |
Fachgerechte Sanierung gesamt | etwa 130 bis 190 € pro m² |
Leckortung bei Wasserschaden | 200 bis 600 €, je nach Verfahren |
Bautrockner, Miete und Strom | rund 10 bis 15 € pro Gerät und Tag |
Nachkontrolle | etwa 100 € |
Vier Dinge treiben den Preis, und keines davon ist die Fläche:
Die Tiefe des Befalls entscheidet, ob nur die Tapete oder auch der Putz herunter muss. Das ist der größte Einzelposten. Die Zugänglichkeit kommt als zweites: Ein Fleck an der freien Wand kostet einen Bruchteil dessen, was die gleiche Fläche hinter einer Einbauküche oder unter einem verklebten Parkett kostet. Drittens die Ursache: Ein Kondensatschaden ist mit Abtragen, Trocknen und Neuaufbau erledigt, ein Rohrbruch bringt Leckortung, Estrichtrocknung und Wartezeit mit. Und viertens die Dokumentation, wenn eine Versicherung beteiligt ist, weil Messprotokolle und Fotos dann Teil der Leistung sind.
Wenn eine Gebäude- oder Hausratversicherung im Spiel ist, übernimmt sie die Leckortung in vielen Fällen mit, weil sie zur Schadenermittlung gehört. Klären Sie das am besten schon beim ersten Anruf bei der Versicherung.

Schimmel in der Mietwohnung: wer zahlt?
Die Antwort hängt an der Ursache, und deshalb lohnt sich Schritt 1 doppelt. Liegt ein Baumangel vor, etwa ein undichtes Dach oder ein defektes Rohr, trägt der Vermieter die Beseitigung. Entsteht der Schaden durch Nutzung, also durch zu wenig Lüften oder durchgehend zu kühl gehaltene Räume, liegt es beim Mieter.
Dazwischen liegt der häufigste Fall, und dazu hat der Bundesgerichtshof am 5. Dezember 2018 zwei Urteile gesprochen (VIII ZR 271/17 und VIII ZR 67/18). Kurz gefasst: Wärmebrücken in den Außenwänden einer Altbauwohnung und die dadurch bei unzureichendem Lüften entstehende Schimmelgefahr sind kein Sachmangel, wenn der Bauzustand den Vorschriften und technischen Normen der Errichtungszeit entspricht. Ein Haus von 1955 wird also am Standard von 1955 gemessen, nicht am heutigen. Was dem Mieter an Heizen und Lüften zuzumuten ist, hat der BGH ausdrücklich nicht pauschal festgelegt, sondern dem Einzelfall überlassen.
Praktisch heißt das: Ein neutrales Messprotokoll mit Oberflächentemperaturen und Feuchtewerten ist in dieser Diskussion mehr wert als jede Behauptung von beiden Seiten. Wir erstellen so ein Protokoll auf Wunsch, unabhängig davon, wer uns beauftragt.
Das ist eine allgemeine Einordnung und keine Rechtsberatung. Bei Streit über Mietminderung oder Kostentragung führt der Weg zu einem Fachanwalt für Mietrecht oder zum Mieterverein.
So bleibt die Wand trocken: Raumklima von Oktober bis März
Ab der ersten kalten Woche kippt das Verhältnis. Warme Innenluft nimmt viel Wasser auf, kalte Außenluft wenig, und jede Außenwand ist plötzlich eine Kondensationsfläche. Die Verbraucherzentrale nennt als Zielkorridor 18 bis 22 Grad bei 40 bis 60 Prozent relativer Luftfeuchte. Liegt die Feuchte im Winter dauerhaft über 50 Prozent, steigt das Risiko. Direkt vor einer kalten Wand genügen schon 70 bis 80 Prozent, damit Schimmel wächst.
Fünf Dinge, die in der Praxis den Unterschied machen:
Stoßlüften statt Kippstellung. Bei kalter Außenluft reichen drei bis fünf Minuten weit geöffnetes Fenster. Ein gekipptes Fenster kühlt die Laibung aus und tauscht dabei kaum Luft.
Drei bis vier Mal am Tag. Morgens nach dem Aufstehen, nach dem Duschen, nach dem Kochen, abends. Je mehr Personen im Haushalt, desto häufiger.
Schlafzimmer nicht auskühlen lassen. Mindestens 16 bis 18 Grad. Ein kalter Raum nimmt weniger Feuchtigkeit auf, und nachts kommen pro Person mehrere Hundert Milliliter Wasser dazu.
Hygrometer aufstellen. Kostet im Baumarkt wenige Euro und ersetzt das Rätselraten. Ohne Messwert ist jede Diskussion über richtiges Lüften eine Meinungsfrage.
Möbel von der Außenwand abrücken. Fünf bis zehn Zentimeter Abstand genügen, damit Luft an die Wand kommt. Der klassische Fleck sitzt hinter dem Kleiderschrank an der Nordwand.
Wer im Altbau wohnt und trotz allem jedes Jahr denselben Fleck an derselben Stelle hat, hat ein Bauteilproblem. Dann bringt eine Messung weiter als noch mehr Lüften.
Was uns in Mönchengladbach am häufigsten begegnet
In den Gründerzeithäusern rund um die Innenstadt sitzt der Befall meist an den Außenecken der Nordseite und in den Fensterlaibungen. In den Beständen der Fünfziger und Sechziger, in Rheydt, Giesenkirchen und Odenkirchen, ist es fast immer der ungedämmte Betonsturz über dem Fenster oder der Rollladenkasten.
Ein Muster taucht dabei besonders oft auf: Haus bekommt neue, dichte Fenster, die Fassade bleibt wie sie ist. Die alten Fenster waren die undichteste Stelle im Haus und haben ungewollt für Luftwechsel gesorgt. Fällt dieser Luftwechsel weg und ändert sich das Lüftungsverhalten nicht, wandert die Feuchte an die nächstkälteste Stelle, und das ist die Wand.
Häufige Fragen
Ist Schimmel überstreichen sinnvoll? Als Lösung nicht. Die Farbe deckt den Fleck ab, das Geflecht in Tapete und Putz bleibt. Solange die Feuchtequelle besteht, kommt der Befall zurück, meist innerhalb weniger Wochen bis Monate. Sinnvoll ist Streichen erst als letzter Schritt, wenn Ursache behoben, Wand trocken und befallenes Material entfernt ist.
Welche Farbe deckt Schimmel ab? Keine dauerhaft. Auch als "Anti-Schimmel-Farbe" verkaufte Produkte wirken nur etwa ein bis drei Jahre, und das Umweltbundesamt rät von bioziden Zusätzen in Wandfarben für Wohn- und Schlafräume ab. Nach einer fachgerechten Sanierung ist ein Aufbau aus Kalk- oder Silikatprodukten die bessere Wahl, der Feuchtigkeit durchlässt statt sie einzusperren.
Ist es strafbar, Schimmel zu überstreichen? In der eigenen Wohnung überstreichen ist nicht strafbar. Anders sieht es aus, wenn ein bekannter Schaden vor Verkauf oder Neuvermietung gezielt übermalt und verschwiegen wird. Das kann als arglistige Täuschung gewertet werden und führt zu Schadenersatzforderungen. Für den Einzelfall gehört die Frage zu einem Fachanwalt.
Wann kommt der Schimmel nach dem Überstreichen wieder? Das hängt an der Feuchtequelle. Bei Kondensat oft schon in der nächsten Heizperiode, bei einem laufenden Wasserschaden innerhalb weniger Wochen. Bleibt die Wand tatsächlich trocken, kommt er nicht wieder, dann war aber auch nicht die Farbe der Grund.
Darf ich Schimmel vor dem Auszug überstreichen? Schönheitsreparaturen decken Farbe und Tapete ab, nicht die Beseitigung eines Feuchteschadens. Wer den Fleck vor der Übergabe übermalt, ohne ihn zu melden, haftet später leicht für die gesamte Sanierung. Melden Sie den Befall schriftlich, mit Foto und Datum.
Was kostet es, Schimmel von einer Firma entfernen zu lassen? Als Marktrichtwert etwa 130 bis 190 Euro pro Quadratmeter für eine fachgerechte Sanierung mit Abtragen, Desinfektion und Wiederaufbau. Kommt ein Wasserschaden dazu, erhöhen Leckortung ab etwa 200 Euro und die Trocknungsphase den Betrag. Den größten Einfluss hat die Tiefe des Befalls, nicht die Fläche.
Wer zahlt die Schimmelbeseitigung in der Mietwohnung? Bei einem Baumangel der Vermieter, bei nutzungsbedingter Ursache der Mieter. Bei Wärmebrücken in Altbauten hat der Bundesgerichtshof 2018 entschieden, dass der Bauzustand am Standard der Errichtungszeit gemessen wird. Ein Messprotokoll klärt die Ursache schneller als der Streit darüber.
Hilft Essig gegen Schimmel? Nein, Essig ist ungeeignet. Auf kalkhaltigem Putz wird die Säure neutralisiert, und die organischen Bestandteile können dem Pilz zusätzlich Nahrung liefern. Für kleine Flächen auf glattem Untergrund ist 70- bis 80-prozentiger Alkohol das Mittel der Wahl, bei geöffnetem Fenster und ohne offenes Feuer in der Nähe.
Quellen
Umweltbundesamt, Aktueller UBA-Schimmelleitfaden, Dezember 2017
Verbraucherzentrale, Heizen und Lüften: So geht's richtig
Bundesgerichtshof, Pressemitteilung 179/2018 vom 5. Dezember 2018, VIII ZR 271/17 und VIII ZR 67/18
Öko-Test, Antischimmelfarben im Test
Über den Autor
Dirk Alt führt die Renovierungsguru GmbH in Mönchengladbach gemeinsam mit seinem Sohn. Der Betrieb deckt Malerarbeiten, Trockenbau, Bodenbeläge sowie Wasserschadenbeseitigung und Bautrocknung ab.




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